"Es ist ein großer Fortschritt, dass Umweltpolitik heute im Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit ein politisches Kernthema ist."

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EXPERTENSTATEMENT

„Abfälle sind wertvolle Rohstoffe“

Prof. Dr. Martin Faulstich Prof. Dr. Martin Faulstich lehrt Rohstoff- und Energietechnologie an der TU München, ist Gründungsdirektor des Wissenschaftszentrums Straubing und seit 2008 Vorsitzender des Sachverständigenrates für Umweltfragen (Foto: privat)

Der Rohstoff-Forscher Prof. Dr. Martin Faulstich erklärt im Interview den Umgang mit Abfällen, analysiert die Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes – und spricht über sinnlose Verpackungen wie etwa die von Zahnpastatuben.

Aus dem Interview mit Prof. Dr. Martin Faulstich:

 

Im März 2011 wurde vom Bundesumweltministerium eine Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes vorgelegt. Es fällt auf, dass der Begriff „Abfall“ darin fast nicht mehr benutzt wird.

Dieser Begriffswandel ist zugleich auch ein gesellschaftlicher Wertewandel. Deshalb ist die jetzige Novelle zur Entwicklung der Kreislaufwirtschaft auch ein wichtiger Beitrag zur Ressourcenschonung und zum Umweltschutz.

Inwiefern?

Um das zu verstehen, muss man in der Geschichte des Umgangs mit Abfällen etwas weiter zurückgehen. Lange Jahre bestand der Umgang mit Abfällen, die ja wertvolle Rohstoffe sind, aus der puren Beseitigung, der Deponierung und der Verbrennung. Erst 1972 – und auch dann erst nach einer Änderung des Grundgesetzes – gab es das erste bundesweit geltende, einheitliche Abfallrecht. Der Betrieb von Deponien und die Entsorgung lagen vorher buchstäblich in der Verantwortung von Landräten und Bürgermeistern.

Also Zeiten, in denen wilde Abfallkippen und leckende Deponien fast noch an der Tagesordnung waren – und Industrieabfälle noch auf hoher See verbrannt und verklappt wurden.

Richtig, doch diesen Missständen hat man in den folgenden Jahrzehnten schrittweise – auch nach den entsprechenden Bürgerprotesten – und konsequent durch verbesserte ordnungs- und umweltpolitische Rahmenbedingungen Einhalt geboten. Man hat seit den 80er-Jahren wesentlich strengere Standards gesetzt und sich auf internationaler, nationaler und kommunaler Ebene systematisch um die bessere Verwertung gekümmert. Und inzwischen wissen wir natürlich – und das schlägt sich grundlegend in dieser vorliegenden Novelle nieder –, dass die alles entscheidenden Faktoren im Umgang mit sogenannten Abfällen die gezielte Vermeidung, die Wiederverwendung und das Recycling von endlichen und deshalb wertvollen Rohstoffen sind. Also eine möglichst effiziente und geschlossene Kreislaufwirtschaft von Gütern und Stoffen, die von der Gesellschaft genutzt werden. Abfälle im ursprünglichen Wortsinn soll es in Zukunft möglichst nicht mehr geben.

Geschlossene Kreisläufe – das hört sich gut an. Doch ein Problem bleibt: Es wird vom Müllaufkommen, auch in der Bundesrepublik, heute mehr wiederverwertet als beseitigt. Doch die Abfallmenge der deutschen Haushalte bleibt trotz aller Anstrengungen konstant. Muss das so sein?

Eigentlich nicht. Viele Abfälle sind unnötig, vor allem im Konsumgüterbereich. Nehmen Sie zum Beispiel einen alltäglichen Gegenstand wie Zahnpastatuben. Die Unsitte, die Tuben noch zusätzlich in eine Pappschachtel zu stecken, findet man nur noch selten. Dafür gibt es zunehmend andere negative Beispiele im Regal: Umverpackungen von immer mehr Produkten, noch kleinere Portionierungen von Convenience Food für Single-Haushalte und Senioren, immer mehr Tiefkühlkost. Diese Trends sind wohl kaum aufzuhalten. Doch letztlich entscheidet der Konsument.

Lesen Sie das ausführliche Interview mit Prof. Dr. Martin Faulstich im PDF-Magazin – eine Sonderbeilage der Zeitschrift UMWELT zum Jubiläum des Bundesumweltministeriums.

Sie können auch ein kostenfreies Exemplar bestellen.

 

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